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Mittwoch, 2. März 2016

musterschnitt 1


 schnipselkiste - hier sammele ich auch bunte papiere für "gustavs agenda"

meine mano-miniaturausstellung mit klein geschnittenen teilen alter aquarelle und acrybilder vom montag wollte ich noch ein bisschen weiterverarbeiten.


hier wird es expressionistisch...

und pastellig...

 pop art geht auch...

und neo-expressionistisch...

und grafisch...


ein bisschen papier hab ich auch noch verwebt

streifen von alten fotoreihen u. a. papieren geschnitten

 und verwebt


 schöne details - ich seh fische!

ich erinnerte mich an eine ausstellung der künstlerinnen GEGO und eva hesse in hamburg, wo u.a. auch verwebtes papier von gertrud goldschmidt (GEGO) zu sehen war, das mich damals sehr faszinierte. hier (klick!) habe ich über die ausstellung berichtet.
meiner erster versuch gefällt mir ganz gut und ich habe lust, noch ein bisschen weiter damit zu experimentieren.

mehr geschnittene muster heute bei frau müllerin!


Mittwoch, 14. Oktober 2015

von frottee, damast und den webern


als wir letzte woche in der oberlausitz unterwegs waren, haben wir uns auch das "deutsche damast- und frottiermuseum" in großschönau angesehen. die textilindustrie hat dort eine lange tradition. von 1666 bis 1933 wurde dort echter damast hergestellt. "auf zeitweise fast 1000 zugwebstühlen fertigten fleißige weber vor allem kostbare tischwäsche. zu den abnehmern gehörten vorwiegend adel und kirche in ganz europa." (aus dem infoblatt des museums).
auch die frottierweberei hat dort eine lange tradition. 1856 wurde in großschönau der erste frottierhandwebstuhl in betrieb genommen. die meisten weber nagten jedoch am hungertuch, kinderarbeit war normalität, die arbeitsbedingungen waren katastophal - vergleichbar mit den heutigen in bangladesch, indien und anderswo auf der welt. (siehe auch unten!)


natürlich passt der besuch dort perfekt zu frau müllerins musterthema im oktober: textiles! ich hab euch ein paar bilder und ein paar muster von dort mitgebracht.


hier wurde und wird noch heute damast gewebt. die blauweißen servietten kann man im museum als mitbringsel erstehen.


frotteeweberei




die lochkarten werden nach zeichnungen einzeln für muster erstellt, dann aneinandergenäht und laufen danach automatisch durch den webstuhl. heute entstehen an diesem alten webstuhl handtücher für touristen. wenn die maschinen laufen ist der lärm unbeschreiblich. die weber  mussten das zu zeiten der industrialisierung 13 stunden und mehr am tag ertragen!

schon zu allen zeiten wurden muster in frotteestoffe gewebt.





schöne details - mit den unteren rollen werden bänder für springseile gewebt

 
 ein paar muster, die ich im museum entdeckt habe

wer interesse an der geschichte der oberlausitzer textilindustrie hat, findet hier informationen dazu. ein zitat daraus, das mich sehr nachdenklich gemacht hat: "Von 1990 bis 1992 sank die Zahl der Beschäftigten in der Textilindustrie von ca. 215.000 auf 25.000. Durch diesen Rückgang verlor die Oberlausitz ihre über Jahrhunderte bedeutsame Position in der Textilindustrie".




die lochkarten haben mich inspiriert, eine bereits angefangene schachtel weiter zu gestalten und mal wieder zu nadel und stickgarn zu greifen.




"pfeilring solingen"
16 x 9 cm
materialien: pappschachtel, spielchip, lochpappe, stickgarn, acrylfarbe


mehr textile muster heute wieder wie jeden mittwoch bei frau müllerin!


noch ein kleiner anhang:
 
Die schlesischen Weber

Heinrich Heine


Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
"Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!"
(1844)
zur entstehung und geschichte von heinrich heines gedicht findet ihr hier die hintergrundinformationen. ebenso passend zum thema ist auch gerhard hauptmanns drama "die weber", dass den aufstand der schlesischen weber gegen unmenschliche lebensbedingungen zum inhalt hat. 


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