ein kleiner zwischenstopp in meiner blogpause! andrea holunders "eye poetry" #8 endet nämlich am freitag und da bin ich noch in dänemark.
andrea hat diesmal ein gedicht von erich fried herausgesucht:
Wintergarten
Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf
Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe
Schöne
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen
Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät im Jahr
Erich Fried
ich hatte lange keine richtige idee, wie ich den text bildnerisch umsetzen könnte. ich wollte nicht so nah am text bleiben und umschläge aus einem blumentopf wachsen lassen oder rote und gelbe briefmarken verwenden. erst hier in dänemark bekam ich durch das wäldchen, das direkt an unser ferienhaus angrenzt, die inspiration, die mir gefiel.
auf zartes japanisches papier schrieb ich den text des gedichts und skizzierte einen alten baum, der herbstlich-winterlich kahl ist und viele briefe trägt, die von seinen ästen hängen.
im frühjahr hatte ich zwei winzige buchensämlinge aus dem elm zu hause in einen topf gepflanzt, die gut angewachsen waren. in meiner phantasie ist jetzt eine starke, alte buche daraus geworden, die gut verankert ist und ihren platz im wald gefunden hat. dort habe ich die briefe aufgehangen, die zwar "spät im jahr" dort "wachsen", aber gerade im alter viel energie und freude bringen.
symbolisch habe ich dann noch einen briefumschlag mit fundstücken aus dem wald gefüllt und an eine alte birke gehangen - eine buche stand mir hier leider nicht zur verfügung ;-). der würzige duft des waldes ist gleich mit eingefangen!
meinen beitrag verlinke ich bei andreas eye-poetry-versammlung für august/september.