Sonntag, 26. November 2017

feuergeschichten

das thema bei astrids linkparty im november heißt feuer. ein paar geschichten kann ich auch dazu beitragen, denn an offenes feuer bin ich von kleinauf gewöhnt. ich wohnte in meinen ersten sechs lebensjahren gemeinsam mit meinen eltern und geschwistern in der wohnung meiner großeltern, in der es nur kohleöfen gab. in der küche wurde gelebt - die gute stube wurde nur zu geburtstagen oder zu weihnachten geheizt. auf dem großen, immer bullerndern ofen wurde gekocht und auch das wasser für die zinkbadewanne warm gemacht, in der wir als kleine kinder gebadet wurden. obwohl alles sehr beengt war, kann ich mich nicht erinnern, mich jemals am ofen verbrannt zu haben.




als ich schulkind war, sammelten wir im herbst für den bauern die restlichen kartoffeln vom acker. dafür bekamen wir ein kleines taschengeld und streuselkuchen. am schönsten waren aber am ende der lese die kartoffelfeuer, in denen das kraut verbrannt und die kartoffeln im offenen feuer geröstet wurden. kohlerabeschwarz kamen sie heraus und man verbrannte sich finger daran. aber ich glaube, ich habe nie wieder so köstliche kartoffeln gegessen wie dort! 



in unserer kinderbande haben wir natürlich oft gekokelt, kleine feuerchen gemacht und brot an stöckchen geröstet. passiert ist nie etwas, wir haben den umgang mit feuer spielerisch gelernt und wussten natürlich, dass wir in der nähe von scheunen nicht mit feuer herumhantieren durften.  




während unserer ganzen studentenzeit in göttingen wohnten wir in einer kleinen dachwohnung in einem fachwerkhaus mit einem kohleofen. die briketts mussten wir aus einem schuppen vom hof heraufschleppen. morgens war es im winter oft so kalt, dass eisblumen an den fenstern blühten, denn die fenster waren undicht und die wände nicht besonders gut isoliert. aber sobald das feuerchen im ofen brannte, wurde es schnell wunderbar kuschelig warm. 
manchmal habe ich es allerdings auch verflucht. zumal unten im hof des öfteren ein giftiger cocker spaniel namens jaritsch sein unwesen trieb. in meiner erinnerung ist er ein echter höllenhund gewesen, wenn er uns - kohlerabenschwarz - mit fletschenden zähnen und blutunterlaufenen augen den zugang zu unserem kohleschuppen verweigerte. nachdem er dann sogar den mann der besitzerin böse in den arm gebissen hatte, war er irgendwann von der bildfläche verschwunden. noch heute mache ich um cocker spaniels einen großen bogen! was bei dem thema feuer doch für erinnerungen hochkommen...




besonders gern denke ich allerdings an abende, wo wir mit freunden abends an einem kiosk würstchen aus der dose kauften, mit der „ente“ zu einer burg an die weser fuhren und dort im herrlich gespenstischen wald ein feuerchen entfachten, laute lieder sangen und die würstchen am stock brieten. 



unsere erste wohnung nach dem studium war mit zentralheizung. das war praktisch und am anfang habe ich es sehr genossen,  aber später habe ich das feuer im ofen immer vermisst - den geruch von angebranntem holz und die angenehme wärme, die eine heizung nie schaffen kann.



ein kaminofen hat uns und freunde mit ihrem baby vor vielen jahren einmal vor dem erfrieren gerettet. wir verbrachten nämlich im katastrophenwinter 1978/79 den jahreswechsel in dänemark in einem sommerhaus (betonung auf sommer!). nach weihnachten fing es an zu schneien und hörte nicht mehr auf. die temperaturen sanken auf heftige minusgrade und die mini-zentralheizung im ferienhaus war völlig überfordert. wir konnten wegen der schneekatastrophe nicht nach deutschland zurückfahren, straßen und grenzen waren gesperrt!! so verbrauchten wir erstmal das holz des besitzers, holten treibholz vom strand und klauten wie die raben holz bei allen möglichen leerstehenden ferienhäusern, denn beim kaufmann gab es keines mehr. aber nichts war schöner als nach einem eisigen strandspaziergang mit heißem tee vor dem ofen zu sitzen und geschichten zu erzählen. nachts musste einer von uns immer wache halten, damit das feuer nicht ausging!




seitdem haben wir uns immer ferienhäuser mit kaminöfen ausgesucht! da wir meistens ende juni nach dänemark fahren, können wir oft das sankt-hans-fest miterleben. dann werden überall am strand mitsommerfeuer angezündet und einheimische und touristen feiern gemeinsam den sommeranfang.





als unsere tochter geboren wurde zogen wir kurz danach wieder in eine altbauwohnung mit kohleöfen. das waren damals sogenannte dauerbrandöfen. wir zündeten das feuer im oktober an und mit viel sorgfalt brannte es bis zum märz durch – von urlaubszeiten mal abgesehen. so hatten wir es immer warm und gemütlich. die kohleschlepperei vom keller in den 2.stock (zwei kiepen am tag, manchmal auch drei) war allerdings reichlich anstrengend und ich musste das häufig alleine machen, weil mein mann damals beruflich oft unterwegs sein musste. wahrscheinlich fingen damals meine rückenprobleme an...


zwei jahre nachdem wir unser haus gebaut hatten, konnten wir uns endlich einen kaminofen leisten, der uns seitdem mit wunderbarer wärme verwöhnt. ich liebe es, das feuer vorzubereiten, es anzuzünden und den flammen zuzuschauen. das holz, das wir verbrennen ist buchen-restholz und stammt aus dem elm. 



natürlich gehören kerzen – besonders im winter - immer zu einer gemütlichen stimmung dazu. am liebsten mag ich bienenwachskerzen, ich liebe einfach ihren duft! ich freu mich schon jetzt auf nächstes wochenende, denn bei einem weihnachtsmarkt im schloss wolfenbüttel hole ich mir immer nachschub von einem imker aus der heide.


ich wünsche euch allen eine schöne adventszeit!

verlinkt bei astrids wunderbarer feuergeschichten-sammlung


Kommentare:

Maren hat gesagt…

Oh, was für ein schöner Bericht. Gerade jetzt sehne ich mich nach einem Kaminfeuer. Hier braucht man zwar nur von November bis Februar eine Heizung, aber dann wäre es schön gemütlicher mit Holz als mit der Klimaanlage, vor allem wenn mal wieder der Strom ausfällt. Danke für Deinen Post, liebe Grüße Maren

Suffershill House hat gesagt…

Ich LIIIIIEEEBE Feuer! Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter - Feuer ist ein absolutes Muss! Unser Kaminofen brät uns auch schon ganz fleißig und mal ehrlich, er gibt eine völlig andere Wärme ab als Heizung alleine. Und er beruhigt mich, dass mit ihm die Bude nicht noch einmal einfriert und ich alle Heizungsleitungen etc. erneuern lassen muss, wie vor Jahren geschehen. Superschöne Streichholzschachteln, Mano! Muss doch gleich mal meine alte Sammlung auf dem Speicher bei meinen Eltern suchen gehen...
Feurio und liebe Grüße von mir!
Solveig

monique carnat hat gesagt…

wie wunderschön deine erlebnisse mit dem thema von Astrid, feuer, und merke dass mir sehr vieles beim lesen eingefallen ist * sitze gerade neben dem kamin (foyer fermé) der am morgen schnell bereit ist um uns zu wärmen * den hatten wir installieren lassen nach einem sehr kalten winter wo ein längere zeit kein strom da war und freuen uns noch immer mit dieser zusatzwärme * kohle war als kleines kind bei mir auch üblich * eine sehr schöne kollektion "boîtes d'allumettes"
merci Mano pour tes souvenirs et à toi un chaleureux dimanche !

Astrid Ka hat gesagt…

Welch beeindruckende Erinnerungen- grad, wie man sie sich am Feuer sitzend erzählt ( und mir ist doch auch so ein Erlebnis eingefallen, bei dem das Feuer einen vorm Erfrieren bewahrt hat. War völlig verschüttet...)
Und deine schönen Sammlungen an Schachteln, Leuchtern, lichtgläsern erfreut das sammlerinnengemüt.
Danke fürs Mitmachen! Freut mich sehr.
❤️ lichst
Astrid

Yna hat gesagt…

Long Time no see...
Ach, wie habe ich diese verkohlten Kartoffel geliebt. Das war immer auch ein kleines Abenteuer.
Das klingt heute ein bisschen so, als wäre es aus der Generation unserer Eltern. Und man kann sich nicht
vorstellen, dass die Kids heute so was noch machen, oder? Da werden Chips gefuttert und die Kartoffeln
ins digitale Feuer geschmissen... :)
Ich mag Feuer. Egal ob Kerzen oder wenn unser kleiner Ofen flackert. Oder draußen der Feuerkorb brennt.
Wärme und Gemütlichkeit....
Ich wünsche dir auch eine schöne Adventszeit liebe Mano,
Herzlichst Yna

froebelsternchen Susi hat gesagt…

Was für beeindruckende Erinnerungen DU hast! So schön erzählt.
Ich bin schon mit Zentralheizung aufgewachsen --- wieviel Abenteuer ist mir da doch entgangen -lach!
Schönen Sonntag!

Holunder hat gesagt…

Was für spannende Erinnerungen! Als Du von diesem eiskalten Schneewinter und dem rettenden Feuerofen berichtetest, erinnerte ich mich an die winterlichen Kindheitserinnerungen des amerikanischen Schwiegersohns. Ein Einschlafen ohne den wärmenden Hund im Bett war gar nicht möglich...
Feueröfen fehlen in meinen Kindheitserinnerungen gänzlich.
Liebe Grüße
Andrea

Tina von Tinaspinkfriday hat gesagt…

Hach was für tolle Fotos und so ein schöner Post. Ich musste so über den "Cockerspaniel des Grauens" schmunzeln. Stimmungsvolles wärmendes Feuer hat auch eine tolle Wirkung. Wir haben einen Kamin im Wohnzimmer, der aber immer seltener befeuert wird, weil seit der Isolierung unseres Hauses einfach zu warm wird wenn er brennt. Letztes Jahr habe ich diverse Kerzen reingestellt :)
Die Holzkerzenleuchter in verschiedenen Größen und Formen finde ich ganz toll. Hier muss im Herbst Winter auch immer eine Kerze brennen, mindestens.
Schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

ULKAU hat gesagt…

Ach, deinen Bericht rund ums Feuer habe ich eben so genossen! Schön, mit dir in Erinnerungen zu schwelgen, wie Zinkwannenbaden, was ich auch noch kenne. Aber dass du sogar noch den Namen des schwarzen Hundes weißt... sicher eine traumatische Erinnerung.
... und ich beneide alle, die einen Kaminofen besitzen!
Lieben Gruß Ulrike

beate grigutsch hat gesagt…

so ein gemütlicher post!!
ich teile ja viele deiner feuererfahrungen - bin mit ofenheizung aufgewachsen, habe in berlin in unsanierten wohnungen mit kachelöfen gewohnt. und bei berg- und wandertouren auf kleinen feuerchen gekocht und die nassen sachen dran getrocknet.
im katastrophenwinter hatten wir schon eine gasheizung, da kamen die grosseltern zu uns ,weil das kohlekraftwerk, das ihren neubaublock beheizen sollte, nicht mehr arbeiten konnte - die vorräte und die kohle in den tagebauen waren komplett eingefroren...... gibts ´ne abgefahrene doku drüber.
xxxxx

lisa kötter hat gesagt…

Wie behaglich, Deine feuergeschichten sprechen mir aus der Seele, und außer dem bösen Hund haben wir sehr ähnliche Feuergefühle.. :-)
Grad jetzt habe ich einen wunderbar warmen Rücken, denn hinter mir knistert das Feuer im Kaminofen- es gibt nichts besseres nach einem feucht windigen Spaziergang...
Meine Feuerbeichte liegt hier schon seit 2 Wochen im Speicher, es fehlen aber noch ein paar Bilder. Ich muss mich sputen...
Lieben Lisagruß!

Nicole/Frau Frieda hat gesagt…

Wie gebannt habe ich Deinen Erzählungen gelauscht, liebe Mano. Ich war in der kalten guten Stube, habe mit meinen Fingern die Eisblumen am Fenster nachgezeichnet und Wache am kleinen Bollerofen gehalten. Ein wunderschöner Artikel! Genau der richtige um an sich an einem grauen Sonntagnachmittag einzukucheln. Danke. Dir einen gemütlichen Sonntag-Nachmittag. Herzlichst, Nicole

Katala hat gesagt…

So viele schöne Feuererinnerungen. Diesen kalten Winter hatte ich komplett vergessen. Das Feuer hat uns da auch am Leben erhalten, über viele Tage.
Lieben Gruß und einen schönen Restsonntag
Katala

jahreszeitenbriefe hat gesagt…

Da teilen wir viele Erinnerungen... Und ich muss mich mal sputen, damit mein Feuer such noch in die Liste kommt. Du hast es so schön beschrieben... Man sieht förmlich die Bilder dazu vor Augen... Liebe Grüße Ghislana

Bilder-Garten hat gesagt…

Erinnerungen vom Feuer, da fällt mir auch viel Gutes ein. Das habe ich jetzt wirklich gern gelesen.
Viele Grüße, Ulrike

bergblumengarten hat gesagt…

Schöne Erinnerungen, die du hier beschreibst. Finde ich natürlich lustig, dass du Ferienwohnungen mit Kamin aussuchst, obwohl du nun fast immer im August nach Dänemark reist. Aber da kann es ja auch mal ungemütlich kalt werden.
Meine erste Wohnung während des Studiums hatte auch nur Kachelöfen und sogar einen Badeofen,, um mal heiß zu duschen.
In der Küche gab es noch einen beheizbaren Herd, der auch gleichzeitig den Raum heizte. Ein katastrophale DDR-Altbaubude, wo es auch noch vom Dach in die Wohnung tropfte. Mein Mann hat heute noch Alpträume.....;-)
In meinem Elternhaus in Leipzig (30iger Jahre) gab es am Anfang nur Kachelöfen und ich hatte sogar einen im Kinderzimmer, der aber leider nicht geheizt wurde. . Am schönsten war es daher Sonntags im Wohnzimmer, wenn der Vater dort Feuer machte.
Jetzt bin ich froh, einen Kamin zu haben. Es ist so gemütlich....und außerdem weiß man ja nie, was alles mit dem Strom passieren kann.
LG Sigrun

siebenVORsieben hat gesagt…

So ein schöner Beitrag, ich könnte noch ewig weiterlesen! So viele schöne Erlebnisse. Und dazu noch die wunderbaren Fotos! Ich war regelrecht enttäuscht, als ich plötzlich "Zentralheizung" las ;-))
Ganz liebe Grüße
Jutta

miriskum dot de hat gesagt…

Sehr schöne, feurige Erinnerungen - wie immer wunderbar bebildert - hat Spaß gemacht, den Artikel zu lesen! Lieben Gruß, S.

Mascha hat gesagt…

So viele Feuergeschichten... und ganz besonders freut mich die Streichholzschachtelsammlung. Hatte als Kind auch eine, aber ganz andere Bilder.
Was für Dich die Cockespnaniel, sind für mich die Spitze - auf dem Grundstück meiner Oma trieb ein weiszer Giftzwerg sein Unwesen und schüchterte mich gewaltig ein...
Dann wünsche ich Dir einen schönen Weihnachtsmarkt in Wolfenbüttel (hab dort EINMAL einen Flohmarkt erlebt -).
Wir kommen bestimmt bald wieder nach BS, haben noch so vieles zu entdecken dort. Aber vorher musz erst noch ein weiteres Gesundheitsproblem geklärt werden. Deshalb bin ich auch grad kaum online.
Liebe Grüsze von der "anderen Seite"
Mascha

verfuchstundzugenäht hat gesagt…

Am Ende des Monats alle Fuergeschichten zusammenzuklauen macht total Spaß! Gern hab ich deinen feurigen Lebensweg verfolgt.

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