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Sonntag, 13. Dezember 2015

die herrnhuter sterne

im oktober machten wir mit freunden eine kleine reise in die oberlausitz . im blog hatte ich schon über das damast- und frottiermuseum und  über andere interessante orte berichtet.

unter anderem stand auch ein besuch der herrnhuter sterne-manufaktur auf unserem programm. von dort zeige ich euch heute ein paar bilder, denn natürlich gehören die sterne inzwischen fast überall zur weihnachtszeit dazu.


schon mitte des 19. jahrhunderts leuchtete der stern  in den internatsstuben der herrnhuter brüdergemeinde. 1722 bis 1732 mussten viele menschen aus böhmen und mähren flüchten, weil sie dort wegen ihrer religion verfolgt wurden.
parallelen zu heute sind nicht von der hand zu weisen, auch wenn die heutigen flüchtlinge von weiter her kommen!! das sollten sich besonders die einwohner diverser erzgebirgsgemeinden, die allzuoft gegen die einrichtung von flüchtlingsunterkünften protestieren - und nicht nur protestieren! - mal hinter die ohren schreiben!!
nikolaus ludwig graf von zinzendorf gewährte den damaligen flüchtlingen auf seinem gut berthelsdorf in der oberlausitz asyl. die ansiedlung der ersten beiden familien legte den grundstein für die schnell wachsende siedlung herrnhut. 
1732 wurde dann dort die herrnhuter brüderngemeinde gegründet, die missionare besonders nach afrika schickte. deren kinder wurden in der missionsschule in herrnhut betreut.


"Die Schulen waren und sind Spiegelbild der Gesamtverfassung der Brüder-Unität und zeichnen sich durch die Einheit von religiöser, sozialer und naturkundlich-praktischer Erziehung und Bildung aus.
... Das Zuhause ersetzen konnten diese Schulheime natürlich nicht. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit war die Trennung von den Eltern sehr schmerzhaft. So kam der Stern als Symbol für die biblische Geschichte ganz recht. Ein Erzieher nutzt den Stern im Mathematikunterricht als Vorlage, um ein besseres geometrisches Verständnis zu vermitteln. Er ließ die Internatskinder Sterne aus verschiedenen geometrischen Formen bauen und diese schmückten später damit Ihre Internatsstuben."
(quelle: via ). anmerkung von mir: "kinder" waren allerdings - zumindest in der anfangszeit - nur jungen. mädchen benötigten damals offensichtlich keine bildung - zumindest habe ich keine informationen darüber gefunden.


bauanleitung für die sterne


in der anfangszeit waren die sterne alle weiß-rot - weiß für die reinheit, rot für das blut jesu.


prospekt aus dem jahre 1898 

alles über den beginn der herrnhuter manufaktur und die weitere firmengschichte könnt ihr hier nachlesen.
"1950 wurde die Stern GmbH verstaatlicht und firmierte ab 1951 als VEB Oberlausitzer Stern- und Lampenschirmfabrik. Als die Handfertigung – noch dazu von Sternen – nicht mehr in das Bild sozialistischer Industrieproduktion passte, beschloss man diese abzugeben. Es kam zu einem zu jener Zeit außergewöhnlichen Vorgang: Rückübertragung an die Brüder-Unität. Die geschäftliche Lage blieb jedoch prekär, da auch der neue Betrieb staatlichen Planungen unterworfen war.
Der Wandel der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen nach 1989 ermöglichte der Herrnhuter Sterne Manufaktur einen Neuanfang als GmbH, der 1991 mit 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewagt wurde. Vor allem der Vertrieb musste völlig neu aufgebaut werden. Aber auch neue Materialien wurden eingesetzt und die Fertigungsabläufe modernisiert" 
quelle: via






seit 2010 gibt es die neue manufaktur in herrnhut. ein besucht lohnt sich auf jeden fall, denn man kann zusehen, wie auch heute noch die sterne per hand zusammengefügt werden und findet eine interessante kleine ausstellung über die entstehungsgeschichte. 

verlinkt mit lottas 50.mal "bunt ist die welt"mit dem thema sterne und mit lisas sternenzeit


ich wünsche euch einen friedlichen 3. advent!
 ich selbst bin immer noch am päckchen packen, aber bald ist es geschafft!

Freitag, 16. Oktober 2015

freitagsallerlei 33/2015



an einigen ecken geht es im garten trotz temperaturen um den nullpunkt noch sommerlich zu. weil ich meine cosmeen so spät umgepflanzt habe, fangen sie jetzt erst richtig an zu blühen. und einige rosen schaffen es auch immer bis in den november hinein.  die zarten schönheiten vom küchenfenster schicke ich zu helgas freitäglichen blumentag.


am mittwoch habe ich ja schon von unserer tour in die oberlausitz berichtet. heute gibt es noch eine kleine bilderflut. viel spaß in sachsen, wo wir viele schöne orte besuchten und wo uns sehr freundliche menschen begegneten!


 in dresden starteten wir mit unserer tour


weiter ging es nach görlitz, der östlichsten stadt deutschlands, die mit über 4000 größtenteils restaurierten kultur- und baudenkmälern gerne als das größte zusammenhängende deutsche flächendenkmal bezeichnet wird. bei einer stadtführung konnten wir viel entdecken und erfahren.

ob es den hühnerologischen verein in görlitz noch gibt?

 die kirche st. peter und paul thront hoch über der neiße


die neiße ist seit 1945 die grenze zu polen. der östliche teil der stadt bildet seitdem die eigenständige polnische stadt zgorzelec und ist mit görlitz zusammen seit 1998 europastadt. heute kann man einfach über die kleine brücke rüberspazieren!




das zisterzienserinnen-kloster st marienthal bei ostritz  liegt auch direkt an der neiße und lohnt unbedingt einen besuch. 2010 wurde es schwer durch hochwasser getroffen - hier könnt ihr ein paar bilder davon sehen und einen bericht darüber lesen. bei unserem besuch haben wir nicht mehr viel davon gemerkt, aber es gibt dort immer viel dort zu tun. und tatsächlich gibt es dort einen weinberg!




in der grenzschänke in friedersdorf haben wir mit unserer gruppe einen gemütlichen abend verbracht und gut gegessen. friedersdorf liegt an der spree, die hier die grenze zu tschechien bildet. falls ihr lust habt zu sehen, wie uwe steimle die grenzschänke besucht und herrlich sächselt, dann schaut euch dieses kleine video an!



auch die manufaktur in herrnhut haben wir besucht, den ort, wo die schönen herrnhuter sterne herkommen. aber darüber werde ich dann in der adventszeit mal berichten!



natürlich waren wir auch im elbsandsteingebirge und haben die bastei besichtigt. es war trotz vieler anderer besucher sehr eindrucksvoll!


auch in pirna haben wir uns rumgetrieben. leider war das schöne rathaus gerade - wie von christo und jeanne claude - in folie eingepackt!



unsere unterkunft für vier tage war die familienferienstätte "bethlehemstift" in neukirch/lausitz. dort gibt es verschiedene ferienwohnungen, die von gruppen, aber auch von einzelnen familien gemietet werden können. das haus liegt mitten im wald und bietet viele möglichkeiten für wanderungen und für ausflüge in die oberlausitz.






ein verwunschener wald und eine streuobstwiese verführten mich natürlich dazu, ein mandala zu legen! 
ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen verleiten, vielleicht auch einmal lottas schönes sachsen zu besuchen - es lohnt sich wirklich!





im garten ist es jetzt sehr herbstlich und der himmel seit einer woche grau und verregnet. aber die felsenbirnen, die buchenhecke und die birken leuchten kräftig dagegen an. den grauen himmel schicke ich morgen zu katjas "in heaven".

s  c  h  ö  n  e  s    w  o  c  h  e  n  e  n  d  e   !


ps: in verschiedenen dashboards wurde mein post vom montag nicht angezeigt. wenn ihr die schätze von svea, meine ideen dazu und mein dschungelbuch noch sehen möchtet: hier geht's lang!


Mittwoch, 14. Oktober 2015

von frottee, damast und den webern


als wir letzte woche in der oberlausitz unterwegs waren, haben wir uns auch das "deutsche damast- und frottiermuseum" in großschönau angesehen. die textilindustrie hat dort eine lange tradition. von 1666 bis 1933 wurde dort echter damast hergestellt. "auf zeitweise fast 1000 zugwebstühlen fertigten fleißige weber vor allem kostbare tischwäsche. zu den abnehmern gehörten vorwiegend adel und kirche in ganz europa." (aus dem infoblatt des museums).
auch die frottierweberei hat dort eine lange tradition. 1856 wurde in großschönau der erste frottierhandwebstuhl in betrieb genommen. die meisten weber nagten jedoch am hungertuch, kinderarbeit war normalität, die arbeitsbedingungen waren katastophal - vergleichbar mit den heutigen in bangladesch, indien und anderswo auf der welt. (siehe auch unten!)


natürlich passt der besuch dort perfekt zu frau müllerins musterthema im oktober: textiles! ich hab euch ein paar bilder und ein paar muster von dort mitgebracht.


hier wurde und wird noch heute damast gewebt. die blauweißen servietten kann man im museum als mitbringsel erstehen.


frotteeweberei




die lochkarten werden nach zeichnungen einzeln für muster erstellt, dann aneinandergenäht und laufen danach automatisch durch den webstuhl. heute entstehen an diesem alten webstuhl handtücher für touristen. wenn die maschinen laufen ist der lärm unbeschreiblich. die weber  mussten das zu zeiten der industrialisierung 13 stunden und mehr am tag ertragen!

schon zu allen zeiten wurden muster in frotteestoffe gewebt.





schöne details - mit den unteren rollen werden bänder für springseile gewebt

 
 ein paar muster, die ich im museum entdeckt habe

wer interesse an der geschichte der oberlausitzer textilindustrie hat, findet hier informationen dazu. ein zitat daraus, das mich sehr nachdenklich gemacht hat: "Von 1990 bis 1992 sank die Zahl der Beschäftigten in der Textilindustrie von ca. 215.000 auf 25.000. Durch diesen Rückgang verlor die Oberlausitz ihre über Jahrhunderte bedeutsame Position in der Textilindustrie".




die lochkarten haben mich inspiriert, eine bereits angefangene schachtel weiter zu gestalten und mal wieder zu nadel und stickgarn zu greifen.




"pfeilring solingen"
16 x 9 cm
materialien: pappschachtel, spielchip, lochpappe, stickgarn, acrylfarbe


mehr textile muster heute wieder wie jeden mittwoch bei frau müllerin!


noch ein kleiner anhang:
 
Die schlesischen Weber

Heinrich Heine


Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
"Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!"
(1844)
zur entstehung und geschichte von heinrich heines gedicht findet ihr hier die hintergrundinformationen. ebenso passend zum thema ist auch gerhard hauptmanns drama "die weber", dass den aufstand der schlesischen weber gegen unmenschliche lebensbedingungen zum inhalt hat. 


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