in meiner kindheit war ich ein schneekind. wir hatten - zumindest in meiner erinnerung - jeden winter von mitte november bis zum märz viel schnee im nordhessischen bergland. nach der schule wurden die ranzen in die ecke gepfeffert, schnell was gegessen und dann mit dem schlitten raus, später auch mit skier. das halbe dorf traf sich dann an der kulle. das war eine steile straße im ort und die beste schlittenbahn, die es gab - auch wenn man unten scharf nach rechts lenken musste, weil man sonst gegen die hauswand der örtlichen gaststätte geknallt wäre. aber das hat niemand gemacht, wir waren alle erfahrene winterkinder - fuhren natürlich kopf voraus auf dem bauch liegend! bei den anwohnern waren wir nicht beliebt, denn die kulle verwandelte sich nach einiger zeit der exzessiven rodelei in eine spiegelglatte eisfläche. gestreut wurde damals noch nicht - wie gut für uns!
mustercollage januar 2016
mit 11 oder 12 jahren bekamen wir die ersten skier. das war das einzigste jahr, wo weihnachten kein schnee lag! aber der kam bald und es dauerte nicht lange und wir fuhren wie die weltmeister die hügel am dorfrand herunter, bauten uns kleine sprungschanzen, wo wir schon mal einige meter weit schafften. natürlich gab es wettbewerbe, wer am weitesten sprang. ich war meistens ziemlich gut! am wochenende fuhren wir mit dem vater nach wilhelmshöhe, wo die berge höher waren und wir lange abhänge herunterdüsen konnten.
schneeflocken, januar 2016
ein weiteres vergnügen (was ich auch heute noch gerne mache!) war "glieten" - so nannte man in nordhessen das schliddern auf selbst angelegten eisbahnen. natürlich ohne schlittschuhe, die hatten wir nämlich nicht, sondern ganz einfach mit straßenschuhen. oft waren die von uns kindern angelegten bahnen ziemlich lang (ich schätze so bis zu 15 metern) und lagen zum teil auf gehwegen oder an straßenrändern. manchmal auch auf zugefrorenen kleinen überschwemmten teichen an der fulle (fulda). das waren die besten rutschbahnen, denn da meckerte kein anwohner über uns.
sketchbook, januar 2016
ich liebe heute noch das geräusch, wenn man auf halbzugefrorenen pfützen da eis zertritt. davon kann ich gar nicht genug bekommen und bin ganz wild auf solch kleine eisflächen. da ist keine pfütze vor mir sicher! natürlich haben wir früher schneemänner und iglos gebaut, schnee gegessen und eiszapfen als lutscher benutzt, engel im tiefen schnee gemacht, viele schneeballschlachten und wanderungen durch verschneite wälder.
schneemuster, januar 2016
in meiner jugend und späteren ausbildungszeit spielte skifahren keine rolle mehr. da war einfach kein geld für teure ausrüstung und skiurlaube vorhanden. schlitten sind wir natürlich jeden winter gefahren, aber meistens waren mir die schlittenberg zu voll und es ging dort zu hektisch zu. so verlor sich langsam meine schneeleidenschaft. außerdem wurden die winter eigentlich immer schneeärmer.
collage, januar 2016
als unsere tochter dann geboren war, kam ein bisschen der schneeleidenschaft zurück, denn die kindliche freude am rumtoben und schlittenfahren war immer ansteckend. ich erinnere mich gerne an viele wanderungen in der braunschweiger gegend, die wir mit dem schlitten im schlepptau gemacht haben.
vermustertes zapfenmandala, januar 2016
einige der aufregendsten wintertage verbrachten wir zum jahreswechsel 1978/79 in einem dänischen ferienhaus. das war das jahr der schneekatastrophe, wo in ganz norddeutschland tagelang der gesamte verkehr zum erliegen kam, strom- und telefonnetze ausfielen und wo leider auch mehrere menschen den tod fanden. hätten wir uns damals nicht massenweise holz für den kaminofen bei leerstehenden ferienhäusern geklaut, wären wir wahrscheinlich bei tiefstemperaturen um die minus 10 grad in unserer holzhütte auch erfroren.
winter in dänemark
für mich war es ganz wunderbar, dass die deutsch-dänische grenze damals für mehrere tage dicht war, weil ich so erst mit 3tägiger verspätung zu meiner - damals ungeliebten - arbeitstelle zurückkonnte. freunde von uns wurden übrigens von einer dänischen familie für ein paar tage aufgenommen, denn sie waren auf der rückreise in einer schneewehe steckengeblieben! sie haben heute noch sehr netten kontakt zu ihren rettern!
schneeverwehungen in dänemark
in meiner späteren berufstätigkeit musste ich viel mit dem auto unterwegs sein und da machte winter so überhaupt keinen spaß! ich habe es gehasst, morgens im dunkeln zur arbeit zu fahren, abends erst im dunkeln zurückzukommen und tagsüber meistens in überheizten räumen zu sitzen. jedes jahr wartete ich sehnsüchtig auf den frühling, auf mehr helligkeit und die möglichkeit, zumindestens die mittagspause draußen verbringen zu können.
sketchbook, januar 2016
heute bin ich überhaupt kein kein winterfan mehr. ich mag weder die lange dunkelheit und schon gar nicht die kälte. ich werde von jahr zu jahr mehr ein "frostköttel" wie man bei uns zu sagen pflegt. natürlich freu ich mich, wenn es dicke flocken schneit und der garten von einer dicken, weißen, weichen decke überzogen wird, wenn kristalle die bäume verzaubern und man bei blauem himmel durch den wald stapfen kann.
aber das ist leider viel zu selten bei uns der fall und bei grauem nebelwetter und feuchter luft bin ich höchst ungern draußen und schaue schon anfang januar nach, ob sich im garten irgendwo spitzen von grün zeigen. über die ersten schneeglöckchen jubele ich und freue mich unglaublich über die ersten warmen sonnenstrahlen. ich liebe den frühling mit all seinen wunderbaren facetten und kann es nicht abwarten, bis endlich die ersten anzeichen davon zu sehen sind.
dann geh ich jetzt mal raus, füttere die vögel und suche unter der hecke nach spuren von winterlingen! meinen post schicke ich vorher noch zu astrids wintersammlung.
vorfreude!















