Sonntag, 18. September 2022

monatspaziergang mit viel fachwerk

letzte woche bin ich mit dem smartphone im braunschweiger magniviertel unterwegs gewesen. es gehört zu den fünf sogenannten traditionsinseln der stadt braunschweig und ist ein lebendiger teil der innenstadt mit vielen kleinen läden, cafés, kneipen und restaurants.


begonnen habe ich meinen rundgang an der magnikirche, deren grundlagen im frühen 11. jahrhundert liegen. nach einigen umbauten und erneuerungen im lauf der jahre wurde die kirche 1944 durch einen bombenangriff zu großen teilen zerstört. 

"Nach Kriegsende standen nur noch der Turm und die Säulenarkaden des Langhauses. Von 1956 bis 1964 wurde der Bau in wesentlich veränderter, teilweise moderner Form wiederhergestellt. 1958 wurde am Giebel des Chors eine moderne Plastik mit dem Namen Der Rufer von Bodo Kampmann angebracht, der von der Giebelwand auf den niedrigeren Mittelteil des Langhaus schaut. Er symbolisiert den apokalyptischen Engel, der auf der Trompete zum Jüngsten Gericht bläst. Bezogen wurde das mahnende Rufen des Engels auf den Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung Braunschweigs." (quelle)

heute ist der magnikirchplatz ein treffpunkt für einheimische und touristen, die dort ihre mittagsmahlzeit einnehmen, einen kaffee oder abends ein bier trinken. mittwochs findet am späten nachmittag auch oft ein gemeinsames bürgersingen statt.

 





 

rund um die magnikirche gibt es einiges zu entdecken

und weiter geht es durchs viertel. viele schöne fachwerkhäuser mit netten läden und hübschen details finden sich dort.








 

 

das älteste fachwerkhaus von 1432 steht am ackerhof 2. es stand lange zeit leer und wird jetzt gemeinsam mit nebenan stehenden gebäuden restauriert.

das linke gebäude ist das ehemalige "rote schloss". das volksfreundehaus war die parteizentrale der spd, wo auch die älteste sozialdemokratische zeitung der spd, der "volksfreund", gedruckt wurde.

 

 

hier in der schlossstraße und dem ackerhof ereignete sich die äußerst unrühmliche geschichte des magniviertels.

 


erstaunlich finde ich, dass weder wikipedia noch die stadt braunschweig in ihren informationen über das magniviertel dieses für erwähnenswert halten.

 

aber schlendern wir noch ein bisschen im viertel herum und schauen uns noch einige ecken an. da braunschweig im 2. weltkrieg, besonders beim luftangriff vom 15. oktober 1944, zu 95 % zerstört wurde, hat auch das magniviertel viele seiner fachwerkhäuser verloren. im lauf der jahrzehnte entstand so eine ziemliche mischmasch-architektur. 

 



so wurde 1972 am eingang zum magniviertel das horten-kaufhaus (später galeria kaufhof) mit der fassade aus den typischen horten-kacheln gebaut.


heute steht es leer, aber erfreulicherweise gibt es den schönen laden "haus dänemark", der seit 48 jahren dort existiert, immer noch!

 


ganz in der nähe des kaufhaus-baus steht seit 1999 das sogenannte "happy rizzi haus", das der amerikanische künstler james rizzi (1950 - 2011) entworfen hat. ein starker kontrast zu "brutalen" kaufhaus-architektur und den fachwerkhäusern des magniviertel. 

ich hoffe, mein kleiner spaziergang durch dieses viertel hat euch gefallen. natürlich gäbe es noch viel mehr zu berichten und zu zeigen. das dann aber ein anderes mal.

wenn ihr dies hier lest, bin ich gerade unterwegs und kann eure beiträge erstmal nicht kommentieren. ich komme aber sicher in den nächsten tagen noch dazu!

verlinkt bei kristinas monatsspaziergang im september.

 

11 Kommentare:

Quer hat gesagt…

Das sind tolle Einblicke in ein lebendiges und kreatives Stadtgebiet.
Solche Erkundungsspaziergänge machen einfach Freude.
Einen lieben Gruss vom Land,
Brigitte

nina. aka wippsteerts hat gesagt…

Den Rufer mag ich sehr. Natürlich ist es eigentlich eine tragische Figur, genau wie der Engel von Barlach in Köln, aber doch so wichtig (und mir gefällt seine Schlichtheit) Sehr interessant insgesamt Dein Rundgang. Die schönen Stellen von Braunschweig habe ich im Zuge meiner beruflichen Reisetätigkeit vor Ewigkeiten bewundert, genau wie all die Bausünden, die mir natürlich und leider viel mehr ins Auge fielen. So wunderschön die Fachwerkhäuser und Laden . So mag ich das auch viel lieber als in einem Beton Klotz. Hier gibt es das auch in der Umgebung kaum noch.
Vielen Dank für den wunderbaren Rundgang, sehr gerne mehr davon. Und eine gute Reise.
Liebe Grüße
Nina

Müllerin Art hat gesagt…

Wie schön, mit dir durch Braunschweig zu schlendern. Vor Jahren haben wir das ja wirklich mal in echt gemacht, daran denke ich gerne zurück.
Die Stadt hat wirklich schöne Ecken und eigentlich sind doch die Städte am lebendigsten, die nicht nur schön sind.
Schönen Sonntag
Michaela

Pia hat gesagt…

Schön mit dir durch eine Stadt zu spazieren, die ich nur vom Namen her kenne. Schade finde ich wenn die Bauauflagen nicht strenger sind. In so vielen Städten fehlt da der Charme. Du hast aber doch einige sehenswerte Ecken entdeckt und mit der Kamera festgehalten.
L G Pia

binimgarten hat gesagt…

Liebe Mano, herzlichen Dank, dass Du uns auf Deinen Spaziergang mitgenommen hast. Ich fühle mich bei Dir als kompetenter Stadtführerin gut aufgehoben. Und die Horten-Kacheln, an die hatte ich wirklich schon lange nicht mehr gedacht. Liebe Grüsse, Stefanie.

3he fecit hat gesagt…

Braunschweig kenne ich noch nicht, zumindest das Magniviertel sieht jedoch schon mal recht interessant aus. Der Rufer gefällt mir sehr. Die Kirche, soweit zu sehen, mit ihrem Westwerk, nein, Westriegel auch. Das niederdeutsche Fachwerk ist schon ganz anders als das fränkische, mit dem ich aufgewachsen bin, nichtsdestotrotz beeindruckend. Die deutsche Nachkriegs-Kaufhausarchitektur finde ich auch immer wieder faszinierend, danke für die Horten-Kacheln. Aber am allerbesten gefallen mir deine Fotos mit den bunten Findlingen am Weg, Kinderfahrräder, bemalte Steine, sehr schön. Schöne Reise noch und liebe Grüße heike

Kristina Schaper hat gesagt…

Liebe Mano,
vielen Dank für den wunderschönen Rundgang durch Braunschweig - auch eine Stadt, die ich gar nicht kenne... eine schöne Mischung aus Details und "Überblickfotos" da bekommt frau doch einen ersten Eindruck von der Stadt. Dankeschön dafür und auch für die Informationen! Diese Kaufhöuser sind doch wohl schlimm! Und jetzt stehen viele leer und alle fragen sich, was tun mit den Monstern?

Einen schönen Urlaub! Viele Grüße sendet Kristina

Claudia hat gesagt…

Ein sehr schöner und interessanter Rundgang. Ich war bisher noch nie in Braunschweig, ein interessantes Viertel, der zum erkunden einlädt. Der Rufer gefällt mir sehr.
Liebe Grüße,
Claudia


Anonym hat gesagt…

Liebe Mano, schön dass du für einen Rundgang Braunschweig und speziell auch das Magni-viertel ausgewählt hast. Dort in der Nähe gab es ein uraltes winziges Häuschen mit bunten Latten zusammengehalten. Das war unser" Pippi Langstrumpf Haus" ... Liebe Grüße Karin @filzpapier

merlecolibri hat gesagt…

dein post gibt gleich lust selber dieses stadtviertel von braunschweig zu besuchen * die bunte gebäude schilder und vieles was dein blick festgehalten hat und die fachwerkhäuser historische gebäude alles für eine sensible ausstrahlung!
liebe grüsse
mo

C Stern hat gesagt…

Ich schätze es sehr, solchen persönlichen Rundgängen zu folgen. Denn, wie man auch hier lesen kann, so mancher wichtige Hinweis findet ja nicht einmal Eingang in die Internet-Literatur.
Das Happy Rizzi House erinnert mich, wenn auch in ganz anderem Stil, doch an die Architektur von Hundertwasser, die es z.B. in Wien zu bestaunen gibt.
Sehr bunt, Dein Rundgang, so kann ich ein bisschen "mit"staunen!
Liebe Grüße aus Österreich! C Stern

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